Sammlungen

Herausragende Bestände betreffen die Niederrheinische Irdenware und eine prächtige Kupferstichsammlung (Hendrick Goltzius 1558-1617), darüber hinaus den Feudalhaushalt eines adeligen Geschlechts der Region (Burggraf van Aefferden).

Kunst im Niederrheinischen Museum Kevelaer

Das Niederrheinische Museum in Kevelaer befindet sich z.Zt. in einem Prozess der Neuorientierung und partiellen Neugestaltung. Den zahlreichen volkskundlich-kulturhistorisch ausgerichteten Dauerausstellungsbereichen wird mit der Öffnung zur Bildenden Kunst ein neues Segment zur Seite gestellt, das sowohl in Dauerausstellungsmodulen als auch in Sonderausstellungen greifbar wird. Das dabei die kulturellen Objektivationen des Niederrheins in besonderer Weise Beachtung finden, ist der unveränderten Zielsetzung geschuldet, primär ein Haus der den Niederrhein prägenden und der in dieser Region entstandenen Kulturleistungen und ihrer Geschichte zu sein.

Künstler: Max Clarenbach

Zwischen Jahrhundertwende und Ausbruch des 1. Weltkriegs gehörte Clarenbach zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Ddfer. und rheinischen Kunstszene. Bereits mit 13 Jahren bezog er die Ddfer. KA, wo er seit 1893 bei – H. Lauenstein und – A. Kampf studierte. 1897 besuchte Clarenbach die Landschaftsklasse von – E. Dücker. Noch vor 1900 hatte er zeitweilig ein Atelier in Vlissingen an der holländischen Nordseeküste. Unter dem Einfluss Dückers entwickelte Clarenbach eine Vorliebe für See-, Fluss- und Hafenansichten, die sein gesamtes Schaffen prägte. Der stille Tag, ein Winterbild von der Erft, das er 1902 auf der Deutsch-Nationalen K.-Ausst. in Ddf. zeigte, wurde sofort vom Ddfer. KM erworben, 1903 in Wien mit einer Großen Goldenen Medaille ausgezeichnet und brachte Clarenbach den künstlerischen Durchbruch. In den folgenden Jahren malte er mit kraftvoller Pinselführung und dichter, delikater und toniger Farbgebung seine charakteristischen Rhein-und Erftansichten, die neben dem Einfluß Dückers den der Haager Schule erkennen lassen. Um 1907/08 ist eine deutliche Zäsur in Clarenbachs Leben und Schaffen zu verzeichnen; nach einer Parisreise wurden Palette und Farbauftrag lichter. 1908 gehörte er zu den Mitbegründern des »Sonderbundes«, der ersten progressiven Ddfer. Künstlervereinigung im 20. Jahrhundert. Als Mitorganisator der Ddfer. Sonderbundausst. 1908, 1909 und 1910 setzte sich Clarenbach entschieden für die Einbeziehung von Werken französischer Impressionisten ein.

Bei der legendären Sonderbundausstellung in Köln 1912 war er Mitglied der Jury und mit mehreren Werken vertreten. Unter dem Eindruck des Impressionismus veränderte Clarenbach in diesem Zeitraum Stil und Motive seiner Gemälde. In kräftigen Farben und mit aufgelockertem Pinselduktus entstand eine Reihe von Garten- und Blumenbildern, die belegen, daß er den Anschluß an die Moderne suchte. Nach der Kölner Ausstellung besann sich Clarenbach jedoch wieder stärker auf die eher konservativen Ddfer. Bindungen und gründete 1913 mit anderen die Gruppe der »Friedfertigen«, ein Anzeichen dafür, daß bereits vor Ausbruch des 1. Weltkriegs der revolutionäre Elan bei Clarenbach und in der Ddfer. Künstlerschaft gebrochen war. Während des Kriegs malte er reportagehafte Szenen an der Ostfront, darunter Zerschossene Kirche in Slonim. 1917 trat Clarenbach als Professor für Landschaftsmalerei die Nachfolge von → E. Dücker an der Ddfer. KA an.

Abgesehen von einigen Experimenten mit figürlichen und gesellschaftlichen Szenen in den 1920er und 1930er, kehrte er zu seinen frühen Motiven zurück, den stimmungsvollen Baum- und Flußlandschaften seiner Heimat. In zarten delikaten Farben und häufig asymmetrisch angelegten Kompositionen mit Spiegeleffekten variierte er seine Ansichten vom Niederrhein, dessen Darstellung bis heute mit seinem Namen verbunden wird. Clarenbach hinterließ außerdem ein umfangreiches graphisches Werk. Darüber hinaus schuf er Gemeinschaftsarbeiten mit → H. Kohlschein. Dem KVM gehörte Clarenbach 1919-1952 an. Zu seinen Schülern zählen → R. Gessner und die Malerin M. Marx-Kruse. – PORTRÄTS: Selbstbildnis; Selbstbildnis (1912; Abb.: Moeller 1984); → W. Schmurr (1906, Neuss, Clemens-Sels-M.); Anon. (Ddf., Öl. KVM).

Margot Klütsch, in: Lexikon der Düsseldorfer Malerschule 1819-1918, Bd.1, München 1997, 235 ff.

Max Clarenbach:

Vertreten in renommierten Häusern der Städte Berlin, Bonn, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamburg, Kiel, Köln, Neuss, Nürnberg, Wiesbaden und Wuppertal